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Benutzer:Agruwie/AdminCon 2017

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Meine Erwartung bei der AdminCon jenen harten Kern der Community anzutreffen, der die Wikipedia administrativ am Laufen hält und als eine sehr aktive Gruppe der Berufenen inmitten Konflikte und Auseinandersetzungen steht, wurde nicht enttäuscht. Entsprechend war es sehr interessant, die Sichtweise jener in einer entspannten Atmosphäre offline von Angesicht zu Angesicht kennenzulernen und mittels Vorträge gewöhnliche und spezielle Situationen des Arbeitsalltags kennenzulernen, denen Administratoren ausgesetzt sind.

Die dabei vorgestellten Problematiken des Admin-Alltags sind grundsätzlich bekannt: Trotz der knapp 200 Administratoren in der Wikipedia ist die Zahl jener, die tatsächlich regelmäßig administrativ wirken und relevant in Erscheinung treten, erstaunlich klein. Die verhältnismäßig geringe Anzahl aktiver Administratoren kann zu verschiedenen Effekten führen, die für das Arbeitsklima in der Wikipedia nachhaltig abträglich sein können. Bei den aktiven Administratoren können sich wegen des Arbeitsaufwands tatsächlich Stresssymptomatiken entwickeln, die sich in Form von Ungeduld, Kompromisslosigkeit und schließlich schlechten, despektierlichen Umgangsformen (besonders auch gegenüber Neulingen) äußern.

Eine der Aufgaben von Administratoren besteht darin, Entscheidungen (auch unliebsame) zu treffen. Da es in Konfliktsituationen verlässlich immer eine Gruppe gibt, die sich als Entscheidungsverlierer sieht und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass dem entscheidenden Administrator die Schuld für die empfundene Miesere gegeben wird, kann durch die geringe Zahl aktiver Administratoren sehr schnell der Eindruck entstehen, dass manche Administratoren bewusst und aus persönlichen Motiven wiederholt gegen bestimmte Personen entscheiden. Manche dem Empfinden nach von einem Admin Verfolgte sehen dann durch jene angebliche Diskriminierung Gegenaktionen gerechtfertigt, die von harmlosen aber teilweise endlosen Beschwerdediskussionen über Trollerei bis zu schockierenden Stalking-Aktionen reichen können. Für mich war es dabei erschreckend zu erkennen, wie schnell sich ein harmloses Hobby zur ernsthaften Bedrohung des beruflichen und auch privaten Umfelds wandeln kann und wie viele Sperren, aber auch Gerichtsverfahren und -urteile offenbar notwendig sind, bis sich besagte wieder eines besseren Umgangs besinnen.

Neben den oben geschilderten Alltagproblemen war meiner Ansicht nach besonders auch ein Vortrag von Rax bemerkenswert, der sowohl Alt- als auch Neuadministratoren eine Hilfestellung geben soll, in der Wikipedia bzw. in den Schwesterprojekten souverän in Erscheinung zu treten:

Sie basiert vor allem darauf, sich selbst Regeln zu erstellen und diese auch zu veröffentlichen, um als Admin berechenbar und nachvollziehbar Entscheidungen treffen zu können. Diese Regeln können den Eindruck minimieren helfen, dass ein Admin ähnliche Situationen unterschiedlich bewertet. Jene Regeln, in Folge von mir Raxsche Regel genannt, sollten aber entsprechend klar formuliert sein, damit der jeweilige Admin nachvollziehbare Entscheidungen treffen kann.

Raxsche Regel, um als Administrator zu reüssieren:

  • Handle regelgeleitet (Sicherheit durch selbst erstellte und publizierte Regeln)
  • Handle berechenbar
  • Handle kalt (nur dort als Entscheider wirken, wo keine positive bzw. negative emotionale Nähe zu Personen oder Themen besteht)
  • Handle nachvollziehbar (die keiner langatmigen Begründung bedürfen)
  • Handle entschieden
  • Handle ohne Angst
  • Sei nicht persönlich betroffen

Die AdminCon 2017 in Österreich war dank Itti, Alraunenstern, Man77 und Raimund Liebert perfekt organisiert, wegen der interessanten Inhalte und den beteiligten Personen gehört sie wohl zu jenen Treffen, die sehr produktiv sind und bei Vermittlung der entsprechenden Themen sich nachhaltig auf das Arbeitsklima in der Wikipedia auswirken können.

Agruwie, 4. August 2017