Herzlich Willkommen zum Mitglieder-Wiki von   Wikimedia Österreich.
Für ein Benutzerkonto schreibe bitte an   verein [at] wikimedia.at

Projekte/Wikipedian in Residence/Interview Dr. Ulrich Nachbaur

Aus Mitglieder
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ulrich Nachbaur (Foto Nikolaus Walter 2014)

Interview

Dr. Ulrich Nachbaur
Abteilungsleiter im Vorarlberger Landesarchiv

Der aus Vorarlberg stammende Wikipedianer Thomas Planinger war in diesem Sommer vier Wochen als sogenannter Wikipedian in Residence im Vorarlberger Landesarchiv tätig. Spannende Informationen des Landesarchivs konnten so weitergenutzt und der Öffentlichkeit besser präsentiert werden. Publikationen des Landesarchivs dienten als wertvolle Quellen für zahlreiche Wikipedia-Artikel und Fotomaterial aus dem Bestand des Landesarchivs wurde ebenfalls für die Mehrung Freien Wissens zur Verfügung gestellt.

Herr Dr. Nachbaur, was macht die Wikipedia zu einem guten Partner für Ihre Arbeit?

Das Vorarlberger Landesarchiv arbeitet schon seit Jahren mit verschiedenen Internet-Plattformen zusammen. Wir sind bemüht, interessierten Menschen Informationen, Publikationen und Archivgut online anzubieten – so viel, so gut, so objektiv und so niederschwellig wie möglich, und kostenfrei. Darin gleicht unsere Philosophie jener der Wikipedia. Es gibt also keine Hürden zu überwinden. In Wikipedia sehen wir einen guten Partner, um unsere Informationen, unser Wissen und unsere Onlineangebote noch leichter zugänglich zu machen, noch weiter zu streuen.

Wir hatten schon seit längerem überlegt, wie wir uns mit Wikipedia besser vernetzen könnten. Das Konzept Wikipedian in Residence bot für uns eine ideale Möglichkeit. Josef Pauser, der Thomas Planinger bereits als Wikipedian in Residence für den Verfassungsgerichtshof engagiert hatte, schlug vor, ihn im Rahmen des Österreichischen Archivtag 2017 in Bregenz für einen Workshop zu diesem Thema zu gewinnen. Thomas Planinger sagte zu, und was lag da näher, als das Konzept im Vorfeld auch auf seine “Archivtauglichkeit” zu testen.

Was waren für Sie die interessantesten Einsichten und Erfahrungen in Ihrer Zusammenarbeit mit Ihrem Wikipedian in Residence?

Als wichtig erwies sich rückblickend, dass wir konkrete Arbeitsziele vereinbarten, die in der zur Verfügung stehenden Zeit auch gemeinsam umsetzbar sein sollten: Eine bessere Verknüpfung der Webseiten des Landesarchivs mit Wikipedia, speziell auch der Literaturangaben in Wikipedia mit einschlägigen Publikationen, die wir online anbieten. Verbesserung fehlerhafter und Ergänzung unvollständiger Informationen in diesen Bereichen. Ausbau des Wikipedia-Artikels über das Vorarlberger Landesarchiv.

Diese Ziele haben wir in vier intensiven Arbeitswochen erreicht. Möglich war das nur, weil Thomas Planinger ein sehr erfahrener Wikipedian ist, sehr professionell arbeitet und sich in den Themenfeldern, die wir bearbeiteten, gut auskannte.

Wichtig erscheint mir: Wikipedians in Residence sind keine Werbebotschafter der Gastgeber. Unterstützung und Kritik sind nützlich, aber die Wikipedians müssen in ihrer Arbeit unabhängig sein und bleiben.

Es bestätigte sich meine Vermutung, dass eine redaktionelle Mitarbeit in Wikipedia doch etwas komplizierter ist. Und es war sicher von Vorteil, dass “unser” Wikipedian in der Wikipedia-Gemeinschaft Ansehen genießt.

Welche langfristigen Effekte versprechen Sie sich von diesem Projekt? Gibt es Pläne für eine längerfristige Zusammenarbeit?

Ja, es gibt Pläne gibt für eine längerfristige Zusammenarbeit, sie sind aber noch nicht spruchreif. Wir hoffen, dass wir durch eine bessere Vernetzung mit Wikipedia den Nutzen unserer Arbeit mehren.

Vielen Leser*innen der Wikipedia ist nicht bewusst, dass es hinter der Webseite eine Community aus Autor*innen, Fotograf*innen und Coder*innen gibt oder Wikimedia-Vereine, die diese in ihrer Arbeit unterstützen. Wie würden Sie diesen Leuten die Community und die Zusammenarbeit mit ihr in wenigen Worten beschreiben?

Die Besonderheit von Wikipedia, die Kombination aus Lexikon und Social Media, war mir bewusst. Im Social Media-Charakter liegt ihre Stärke, aber auch eine Problematik, zumal die Autorinnen und Autoren überwiegend unter Pseudonym mitarbeiten, was für mich als Wissenschafter ungewohnt und nicht einleuchtend ist. Neu war für mich, wie die Qualitätskontrolle funktioniert.

Ich profitiere von Wikipedia bei meiner Arbeit als Archivar und Forscher sehr - obwohl oder gerade weil ich ihr auch mit Vorsicht begegnen. Wikipedia ermöglicht mir eine erste Orientierung und häufig ein schnelles Abklären von Fakten. Dafür bin ich allen dankbar, die mitarbeiten!